Gemeinde der Eziden

Die Eziden (oder auch Jesiden,  Yeziden) gelten mehrheitlich als eine kurdische Volksgruppe und Anhänger einer eigenständigen monotheistischen  Religion, das heißt sie glauben an nur einen Gott.

Ursprünglich lebten die Eziden im Irak (wo auch immer noch die meisten leben), der Türkei, Syrien und dem Iran. Heute leben sehr viele auch in Armenien, Russland und den USA. Die größten Gruppen gibt es in Schweden und Deutschland. Weltweit gibt es weniger als eine Million Eziden.

Der Ursprung der ezidischen Religion verliert sich im Dunkel der Geschichte. Sie selbst behaupten, dass ihre Religion die ursprüngliche Religion der Kurden vor der lslamisierung gewesen sei. Sie verstehen sich als Nachkommen Adams, wogegen alle anderen Menschen Nachkommen von Adam und Eva seien.

Als der wichtigste Fixpunkt in der ezidischen Geschichte erweist sich der muslimische Sufi­Heilige Sheikh Adi Ibn Musafir (um 1075- 1162), der sich von Bagdad ins unzugängliche Lali -Tal zurückzog, dort eine religiöse Gemeinschaft begründete und eine schon seit vorislamischer Zeit bestehende Religion reformierte. Lalis, wo sich das Grabmal von Sheikh Adi befindet, ist das bedeutendste religiöse Zentrum der Eziden.

Die heutige religionsgeschichtliche Forschung sieht im Ezidentum eine Religion mit Elementen aus verschiedenen anderen Religionen, auch der jüdischen, christlichen und islamischen Religion. Die Naturelemente Feuer, Wasser, Erde und Luft werden besonders geehrt.

Als Ezide kann man nur geboren werden. Es gibt keine Möglichkeit, zum Ezidentum zu wechseln. Anders als beispielsweise im Christentum und im Islam gibt es folglich keine Mission. Religiöser Fanatismus ist der ezidischen Religion fremd. In einem Gebet der Eziden heißt es: ,,Gott schütze erst die 72 Völker und dann uns." Die Eziden zeigen sich gegenüber anderen Religionsrichtungen als ausgesprochen tolerant, insbesondere gegenüber den christlichen Kirchen haben sie kaum Berührungsängste. Das hat auch etwas mit der gemeinsamen Leidensgeschichte von Eziden und Christen in den kurdischen Siedlungsgebieten zu tun. In manchen Gegenden wurde Jesus Christus von den Eziden sogar kultisch verehrt. Aufgrund der jahrhundertelangen Unterdrückung durch fanatische Richtungen des Islam, für die die Eziden rechtlose Ungläubige und Feinde Allahs und seines Propheten sind, ist das Verhältnis zu Muslimen deutlich gespannter.

Tausi-Melek ist der höchste der sieben Engel im ezidischen Glauben und steht Gott (kurdisch: Chodä= Herr) sehr nahe. Er ist der Wächter der Welt und der Mittler zwischen Gott und den Menschen. Sein Symbol ist der Pfau. Der Name des Bösen bzw. des Teufels darf von Eziden nicht ausgesprochen werden.